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2016 - Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Durch das Thema des Schülerwettbewerbs des Deutschen Anwalt Vereins „Die Würde des Menschen ist unantastbar – außer im Internet?“ fühlten sich die Schüler der H9a im Dezember spontan angesprochen.



Nach der Beschäftigung mit den Grundrechten aller Menschen im Geschichtsunterricht im vergangenen Schuljahr und der Auseinandersetzung mit diversen Streitigkeiten innerhalb der Klassengemeinschaft und innerhalb der Schule, bei denen grundsätzlich die Neuen Medien eine entscheidende Rolle gespielt hatten, war dieses Thema für die Klasse brandaktuell und kein Mitglied der Klassengemeinschaft lehnte es ab, sich mit diesem Thema intensiv auseinander zu setzen. So entschieden wir uns hochmotiviert, an dem Wettbewerb teilzunehmen.



Bei einer ersten Sammlung von Ideen zur Umsetzung des Themas wurde schnell klar, dass sowohl der Begriff „Würde“, wie auch der Begriff „unantastbar“ von jedem Schüler unterschiedlich interpretiert wurde, beziehungsweise vielen Schülern die Wörter unbekannt waren. Es entstand eine intensive Diskussion über die Begrifflichkeiten, über Gefühle, über Verletzungen, aber auch darüber, wer eigentlich seine Würde verlöre, derjenige der andere verletzt oder derjenige, der verletzt wird.



In einer geleiteten Stillarbeit näherte sich jeder Schüler persönlich dem Thema, indem kurze Fragen anonym beantwortet wurden. Auf Grundlage dieser Befragung konnten nun alle Schüler über den Inhalt des Artikel 1 „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ mitdiskutieren, diesen für sich persönlich fassen und verstehen sowie Beispiele aus der eigenen Lebenswelt einbringen. Dennoch herrschte in der Klasse weiterhin große Uneinigkeit darüber, was die Würde eines Menschen sei. Die Schüler versuchten nun, in Kleingruppen, das Thema und ihre Gefühle in kurze Rap-Texte oder „Gedichte“ zu fassen.

Sämtliche Arbeitsergebnisse wurden im Anschluss in einen gemeinsamen Rap-Text zusammengefasst. Die Schüler stellten sich im Musikraum in Rhythmusbegleitung vom Keyboard ihre Ergebnisse rhythmisch gesprochen vor.



Nach dieser Näherung an das Thema wurden nun Ideen zur Umsetzung gesucht. Als kreative Arbeit entschieden wir uns, zu versuchen, Gefühle in Standbildern auszudrücken und deutlich zu machen, dass jedes Gefühl und jede Demütigung durch die Veröffentlichung im Internet noch verstärkt wird. In Dreiergruppen entwickelten die Schüler Situationen, die sie als „entwürdigend“ empfinden und versuchten, sie im Standbild darzustellen.



Die Fotografien dieser Standbilder sollten zu Teilen von Handydisplays werden. Für diesen Zweck bauten die Schüler aus Styropor, Pappmasché und Acrylfarben überdimensionale Handy-Modelle. Auf diese Modelle wurden die vergrößerten Fotografien der Standbilder, versehen mit fiktiven WhatsApp – Chatverläufen aufgeklebt.



Die erste Präsentation der Arbeiten erfolgte am „Tag der offenen Tür“ unserer Schule am 29. Januar 2016. Zu diesem Anlass waren die Schüler der Schule, die Eltern und interessierte Bürger aus der Gemeinde eingeladen. Die Schüler stellten die Handy-Modelle an ihrem Stand im Flurbereich der Schule aus. Hinzu kamen Plakate, auf denen auf Artikel 1 des Grundgesetzes verwiesen wurde. Die Resonanz war überwältigend. Viele Schüler und Eltern kamen an dem Stand ins Gespräch, immer wieder hörte man „Genauso ist es“, „Guck mal, wie schrecklich“. Niemand von den Besuchern zeigte sich jedoch überrascht oder äußerte, dass die Szenen oder Chats übertrieben seien.

Von dieser Resonanz motiviert, überlegten sich die Schüler, wie man noch mehr Menschen mit diesem Thema erreichen und für die Problematik sensibilisieren könnte. Gemeinsam mit der Leiterin des Jugendzentrums „Steps“ entstand die Idee einer Ausstellung im Jugendzentrum.
Daraufhin wurden am Montag, den 7. März 2016 die Handy-Modelle und Plakate von den Schülern im Billardbereich des Jugendzentrums aufgehängt.



Erneut kam es zu einer sehr beeindruckenden Resonanz: die Mitarbeiter des Jugendzentrums berichteten schon nach wenigen Tagen, dass fast sämtliche Jugendliche, die das Jugendzentrum besuchten, vor den Bildern stehenblieben und lange guckten. Bei Ansprache durch die Mitarbeiter des Jugendzentrums wurden sie sehr nachdenklich. Niemand konnte sich derartige Situationen nicht vorstellen, niemand hatte nicht schon ähnliche Situationen erlebt. Auf die Frage, wie sie sich im Netz verhielten, wurden die meisten recht kleinlaut.

Das Jugendzentrum “Steps“ ist räumlich an das Schulzentrum mit Haupt- und Realschule Zetel und IGS Friesland–Süd angeschlossen und wird in den Pausen von vielen Schülern besucht und im Nachmittags- und Abendbereich bestehen Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche zwischen 6 bis ca. 25 Jahren, sowie offene Angebote. Da sich das Jugendzentrum großer Beliebtheit erfreut, werden dort viele Jugendliche der Gemeinde Zetel durch die Ausstellung erreicht.



Die Teilnahme an dem Wettbewerb hat die gesamte Klasse H9a motiviert, sich mit dem Thema „Die Würde des Menschen ist unantastbar – außer im Internet?“ zu beschäftigen und auch über den langen Zeitraum von über zwei Monaten an diesem Thema zu arbeiten. Eine Sensibilisierung für diesen alltäglichen und dauerhaft präsenten Konfliktbereich im Leben von uns allen hat stattgefunden und auch andere Jugendliche der Gemeinde wurden zum Nachdenken über das Thema animiert. Das Problembewusstsein ist im Verlauf des Projekts stetig gestiegen.
Auch die Klassengemeinschaft wurde durch die Teilnahme gestärkt. Die vielen gemeinsamen Stunden, die wir an „unserem“ Projekt gearbeitet haben, die praktische, kreative Arbeit hat uns als Klasse einander näher gebracht und unser Gemeinschaftsgefühl, die Teamfähigkeit und das Verantwortungsbewusstsein füreinander und für die Sache gestärkt. Nicht zuletzt haben wir viel Spaß miteinander gehabt und sind durch das gemeinsame Ziel (natürlich möchten wir in diesem Wettbewerb auch erfolgreich sein) zusammengeschweißt worden.



Der Gang an die Öffentlichkeit in Form der Ausstellung und des Berichts in der Zeitung war für viele Schüler eine neue und beeindruckende Erfahrung. Die Schüler haben durch die Präsentation ihrer Arbeit viel Wertschätzung und Anerkennung erfahren.

Das Thema wird auch weiter in der Klasse aktuell bleiben. Im Fach Deutsch wird im Rahmen der Unterrichtseinheit „Stellungnahme“ an dem Thema „Internetmobbing“ gearbeitet und weiterhin wird fraglos in vielen Gesprächen über Konflikte innerhalb und außerhalb der Klasse das Internet eine entscheidende Rolle spielen.


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